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Erinnerung an drei 1946 durch eine Mine getötete Okärber Kinder

Der zentrale ökumenische Gottesdienst und die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Karben erinnerten in diesem Jahr insbesondere an den schicksalhaften Tag am 14. April 1946

Der zentrale ökumenische Gottesdienst und die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Karben erinnerten in diesem Jahr insbesondere an den schicksalhaften Tag am 14. April 1946, als die zehn- bis dreizehnjährigen Okärber Jungen Karl-Gundolf Kallenbach, Ernst Müller und Herbert Brunner am Rande eines Fußballspiels in Ockstadt durch eine Mine getötet wurden. In dem von Pfarrer Eckart Dautenheimer, Pater George und Conny von Schumann gestalteten Gottesdienst vor der Trauerhalle des Waldfriedhofs zeigte die Klein-Karbener Theatergruppe der evangelischen Gesamtkirchengemeinde auf, welchen Verlust das Sterben der drei Kinder bedeutete. Eingebettet in die reelle Schilderung eines Überlebenden, beschrieben die Darsteller der drei Jungen, was aus ihnen in ihrer Welt geworden ist und sie in der von ihnen benannten „Hölle“ nicht mehr werden konnten, aus der sie in so frühen Jahren gerissen wurden. In seiner Predigt betonte Dautenheimer die Wichtigkeit von Trauer und Erinnerung und prangerte besonders an, dass ausgerechnet deutsche Rüstungsfirmen nach wie vor an den Kriegen der Welt profitieren.

Zur anschließenden Gedenkveranstaltung am vor zwei Jahren mit 570 Buchen bepflanzten Erinnerungswald und seither wachsenden Erinnerungsstätte begrüßte Bürgermeister Rahn die zahlreichen Besucher und erinnerte an die ungeheure Zahl von 570 Karbener Toten bei damals kaum 10.000 Einwohnern. Der Enthüllung der Thementafel „Grenzen überschreiten“, die deutlich macht, dass der Krieg bereits lange vor der physischen Grenzüberschreitung mit vielfältigen Grenzverletzungen in allen Bereichen des Lebens begonnen hatte, folgte die jährliche Verlesung der Namen aller 570 Toten durch zehn Schüler der Kurt-Schumacher-Schule um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Über zwanzig Minuten schier unendliche meist ortsbekannte Namen machten schmerzlich bewusst, dass kaum eine Familie in Karben verschont geblieben war, oft mit mehreren Toten einer oder aufeinander folgender Generationen, manchmal einer ganzen Familie. Als Zeitzeuge schilderte Heinz Jörg im Anschluss, wie er als Junge dem Tod der drei Freunde beiwohnte und nur deshalb überlebte, weil er einen Schmetterling interessanter als das Fundstück im Wald fand und dass der Anblick der getöteten Kinder ihn bis heute in seinen Träumen verfolgt. Schließlich enthüllten Familienangehörige sowohl die Erinnerungstafel für die Okärber Jungen wie auch die für den Groß-Kärber Walter Schneider, dessen Großvater sich selbst tötete und damit den Vater als Betriebsvorstand vor der Einziehung bewahren konnte, nicht aber den Enkel, der mit 21 Jahren an der Front den Tod fand. Dieses Schicksal war bei der ersten Veranstaltung 2019 thematisiert worden.


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